Stroetzel spürt Teamgeist und Euphorie


Viel Grund hatte Martin Stroetzel in den meisten Testspielen nicht, von außen hineinzurufen. Vieles klappte in seinem neu formierten Team schon sehr gut.

Nicht mehr erklären müssen, warum etwas nicht geklappt hat, Aufwand und Ertrag besser ausbalancieren – diese Ziele verfolgte Jörg Kowalski, Sportlicher Leiter des DSC Wanne-Eickel, bei der Zusammenstellung des neuen Westfalenligakaders. Ob die Mannschaft diese Ansprüche einlösen kann, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Eine erste Antwort gibt es am Sonntag, wenn der DSC um 12.15 Uhr bei TuS Erndtebrück II antritt. Am Ende der sechswöchigen Vorbereitung spricht Trainer Martin Stroetzel mit Sport-Redakteur Wolfgang Volmer über seine Sicht der Dinge.

 


Herr Stroetzel, ist die Vorbereitung nach Ihrem Wunsch verlaufen?

Martin Stroetzel: Wir Trainer im Amateurbereich müssen immer Kompromisse eingehen, werden mit Krankheiten und Verletzungen, aber auch mit Dingen wie Urlaub konfrontiert. Im Großen und Ganzen bin ich aber zufrieden.

Sind die zahlreichen Neuzugänge schon integriert?

Auf jeden Fall. Fakt ist, dass die Mannschaft erstaunlich gut gespielt hat, vom ersten Test an bis jetzt. Das ist bei einem so großen Crash schon außergewöhnlich.

Liegt das auch daran, dass viele Neuzugänge auch früher schon zusammen gespielt haben?

Da gehe ich stark von aus. Die Spieler kennen sich fast alle, viele studieren in Bochum und spielen da auch in der Uni-Mannschaft zusammen. Gewisse Abläufe sind da schon vorhanden, das sieht man insbesondere im Defensivverhalten, wo wir im Vorjahr erhebliche Probleme hatten. Fast alle Tore, die wir jetzt in der Vorbereitung gefangen haben, sind nach Standards gefallen. Und das kriegen wir auch noch in den Griff.

Hat sich im neuen Team schon eine Hierarchie gebildet?

Ja, das denke ich schon. Gerade im Zentrum, wo es besonders wichtig ist, haben wir mit Greitemann und Lorenzen ein Duo, das schon lange zusammen spielt. Niedzicki ist ein aufgeschlossener Junge, der saugt alles auf. Auch in der Innenverteidigung sind wir gut aufgestellt. Baum bringt Topleistungen, mit Nolte und Melchner sind wir hier sehr gut besetzt. Und vorne haben wir Aydin, , Nour und Tomaschewski, das ist schon ein geiles Zentrum.

Wo sehen Sie die besonderen Qualitäten Ihrer Mannschaft?

Was ich bislang spüre, ist ein fantastischer Zusammenhalt und eine unglaubliche Euphorie. Die Spieler wollen gemeinsam etwas erreichen. Und Leute wie Greitemann, die jahrelang unter einem Trainer gearbeitet haben, sind gierig darauf, mal etwas Neues kennenzulernen und haben riesigen Spaß.

Gibt es offene Baustellen?

Nun ja, wir haben eben viele junge Spieler im Kader. Wenn unsere zwölf, dreizehn erfahrenen Leute alle fit sind, sind wir stark und können mit Aydin und Nour auch die Außenbahnen gut besetzen. Allerdings fehlen sie uns dann im Zentrum. Wir sollten schon versuchen, auf den Außenbahnen noch was zu machen. Oder die jungen Leute entwickeln sich ganz schnell. Wir haben ja mit Resulaj oder Yalaycik Spieler, die auf diesen Positionen groß geworden sind. Sie müssen jetzt den nächsten Schritt machen.

Wie schätzen Sie das Niveau des neuen DSC ein im Vergleich zur letztjährigen Mannschaft?

Die Vorbereitungsphase ist fast identisch. Da waren wir auch im letzten Jahr sehr erfolgreich und zufrieden. Das Malheur begann erst mit der Roten Karte von Doric. Letztlich aber sind wir im letzten Jahr mit einem Sieg in die Meisterschaft gestartet, das müssen wir jetzt erst noch schaffen. Wenn wir gut starten, glaube ich, dass es eine bessere Saison gibt. Ich kann mir jedenfalls kaum vorstellen, dass wir wieder so viele Gegentore kriegen.

Und wie sehen Sie den DSC im Vergleich zur Konkurrenz? Ist der TSV Marl-Hüls der Topfavorit?

Ich habe schon das Gefühl, dass wir defensiv deutlich stabiler stehen. Aber es gibt in der Liga viele starke Mannschaften. Sicher ist der TSV qualitativ am besten besetzt, aber ich denke, die werden es ganz besonders schwer haben. Gerade weil sie offen sagen, dass für sie nur die Meisterschaft zählt, werden die Marler am meisten Widerstand spüren. Persönlich glaube ich, dass Hassel, Mengede oder auch Hordel gute Chancen haben, weil die Mannschaften schon zwei, drei Jahre zusammen spielen. Wir beim DSC haben noch einiges aufzuarbeiten, im taktischen Bereich und in der Abstimmung. Das dauert noch sechs, sieben Wochen.

Gibt es Zielvorgaben an Sie seitens des Vorstandes?

Nein. Wir wissen, dass die letzte Saison nicht gut gelaufen ist und wollen besser sein. Ziel ist, schnell 40 Punkte zu holen und dann mal zu schauen, was noch geht. Auf jeden Fall wollen wir interessanten und erfolgreichen Fußball anbieten, damit unsere Fans wieder gern zur Mondpalast-Arena kommen.

Quelle: derwesten.de/ Wolfgang Volmer
Foto: Volker Speckenwirth