DSC-Legende Horst Bittger trainierte nicht nur Borowka


Horst Bittger (re.) und sein langjähriger Wegbegleiter Uli Seidel in der Fußball-Ausstellung im Heimatmuseum. Foto: Joachim Haenisch

Wanne-Eickel. Die Ausstellung „Ihr fünf spielt jetzt vier gegen drei“ beleuchtet im Heimat- und Naturkundemuseum die Fußballhistorie von Herne und Wanne-Eickel. Der legendäre Fußballtrainer Horst Bittger hat beim DSC Wanne-Eickel ein Kapitel dieser Geschichte geschrieben.

 

Ältere Fußballfans wissen nur zu gut: Der DSC Wanne-Eickel hat schon bessere Zeiten gesehen. Viel bessere! Das war auch ein Verdienst des legendären DSC-Trainers Horst Bittger, der über viele Jahre mit harter Hand Talente an die 1. Mannschaft heranführte, die bekanntlich auch mal in der Zweiten Liga kickte. Gelegentlich sind ihm die Rohdiamanten dabei beinahe in den Schoß gefallen – so wie im Fall von Uli Borowka.

Vor einer Gaststätte im sauerländischen Menden staunte Bittger einst über einen Jugendlichen, der dort seine fußballerischen Fähigkeiten unter Beweis stellte. Auf die Frage nach dem Namen des jungen Könners musste der Wirt nicht lange überlegen: „Das ist mein Sohn.“ Kurz darauf schnürte Borowka junior für die DSC-Jugend die Stiefel, später kickte er für Werder Bremen und Gladbach in der Bundesliga und trug sechsmal das Trikot der Nationalmannschaft.

Wegbegleiter Uli Seidel
Borowka war nicht der einzige Hochkaräter, den Horst Bittger in 40 Jahren Trainertätigkeit vor allem beim DSC Wanne-Eickel, aber auch als Kreisjugendtrainer und in diversen anderen Clubs geformt hat. Spätere Profis wie Jürgen Bradler und Dieter Mangold zählten ebenso dazu wie Ralf Regenbogen oder Hannes Oehler. „Wir haben mit dem DSC lange im Konzert der Großen mitgespielt“, erzählt Bittger. Größter Erfolg: der Triumph im Westfalenpokal der A-Jugend.

Das Geheimnis seines Erfolg? „Disziplin ist die Grundlage“, sagt er. Die vermisse er bisweilen heute bei Nachwuchsspielern. Und noch etwas war für den Trainer Horst Bittger ganz wichtig: „Die individuelle Förderung.“ Eine Art Bewertungssystem führte er damals ein. Auf einem Bogen trug er Punkte für jeden Spieler in insgesamt zehn Kategorien ein. Bis zu zehn Punkte gab es für Kategorien wie Trainingsfleiß, Körperbau/Lebenswandel, Durchsetzungsvermögen und Effektivität ein.

Die Fähigkeiten des akribisch arbeitenden Fußballlehrers blieben den „großen“ Nachbarn nicht verborgen: Ottokar Wüst (VfL Bochum) und Oskar Siebert (S 04) vesuchten ihn abzuwerben - ohne Erfolg. Das habe auch an seinem „tollen Verhältnis“ zu DSC-Mäzen Robert Heitkamp gelegen, so Bittger. „Er vertraute mir.“

Die Qualitäten des Trainers weiß auch Uli Seidel zu schätzen, ein langjähriger Wegbegleiter, den heute eine Freundschaft mit Bittger verbindet. Der 68-jährige „Herner Jung“ Seidel war Spieler, Trainer und Vorstandsmitglied beim DSC - und ist ebenfalls ein fester Mosaikstein in der Geschichte des Clubs.

Aufmerksam wurde der DSC bzw. der Vorgängerverein TB Eickel auf Seidel, als dieser Ende der 60er Jahre mit Rasensport Holthausen zwar 2:4 gegen die Wanne-Eickeler verlor, aber ein Riesenspiel machte. „Ein Zuschauer sagte zu mir: Du rasender Linksaußen spielst irgendwann auch bei uns.“ So kam es. Dass der „rasende Linksaußen“ - 100 Meter in 11,6 Sekunden - keine Profi-Karriere machte, dafür hat der gelernte Textilkaufmann eine Erklärung: „Ich hatte meinen eigenen Kopf.“


Schau ist bis zum 5. Oktober zu sehen

Der Historiker Ralf Piorr dokumentiert in der Ausstellung „Ihr fünf spielt jetzt vier gegen drei“ die Herner und Wanne-Eickeler Fußballhistorie von etwa 1904 bis 1980 - und zwar nicht in einer Präsentation von Daten, Fakten und Ergebnissen, sondern anhand von Geschichten, Dokumenten, Originalen und Fotos.

Die Schau ist im städtischen Heimat- und Naturkundemuseum, Unser-Fritz-Straße 108, bis zum 5. Oktober zu sehen. Öffnungszeiten: di bis fr 10-13 und 14-17 Uhr, sa 14-17 Uhr, sonn- und feiertags 11-17 Uhr. Falls sich ein Sponsor findet, soll zu der Ausstellung ein Katalog/ein Buch erscheinen.

Quelle: derwesten.de